Villarrobledo

In diesem Ort haben wir uns entschieden, die geplante Route durch die Berge nicht zu nehmen, sondern statt dessen mit dem Zug nachher bis kurz vor Valencia zu fahren und dann mit dem Rad weiter die Kueste hoch. Ich gebe zu, dass diese Entscheidung mehr bei mir liegt als bei meinem Mitfahrer, aber nach 2,5 Wochen nur Radfahren gestehe ich mir diese Schwaeche durchaus ein :-)
Dafuer setzt sich immer mehr der Gedanke durch, dass wir noch heute Abend am Mittelmeer sein werden, unsere Koepfe ins Wasser tauchen koennen und immer einen Campingplatz parat haben, da die an der Kueste nur so hervor wuchern, waehrend sie in der Mitte Spaniens uns nur vereinzelt entgegenlaecheln.
Vorgestern haben wir unter freiem Himmel geschlafen. Wir sind einen kleinen Weg zwischen Weintraubenfeldern hineingefahren (nein sie waren noch nicht reif...leider), haben dorte in altes, bruechiges, verlassenes Haus gefunden und uns davor mit all unseren Decken und Sachen niedergelassen. Das Flair war unglaublich schoen, obwohl es in der Nacht doch zugegebenermassen etwas kuehl wurde und ich mich immer tiefer in meinen Schlafsack verkrochen habe, bis wahrscheinlich nur noch die Haarwurzeln herausgeguckt haben.
Die Geraeusche der Tiere und besonders der Fledermaeuse habe ich versucht zu ignorieren, was mir auch groesstenteils gelungen ist. Warum nur kommen gerade in solchen Momenten alle Erinnerungen an alle laengst vergessenen Horrorfilme wieder hoch? :-)

Mittlerweile ist mir auch klar geworden, dass ich das Essen aus Deutschland vermisse. Hier gibt es keine Baecker, demzufolge auch keine Koernerbroetchen und die belegten Baguettes, die in allen Snack-Bars angeboten werden, beinhalten wirklich nur das, was auf der Karte steht. Wenn es also "Bocadillo con queso" heisst, dann ist auf dem Broetchen wirklich nur Kaese, keine Butter, keine Tomate, Salat oder irgendwas, wirklich nur Broetchen mit Kaese...und ehrlich, da hatte ich schon mal ein ziemlich Trockenes erwischt, bei dem mein Speichel mit der Verarbeitung nicht mehr hinterhergekommen ist ;-)

Aber sonst ist es in Spanien wirklich wunderschoen. Wir hatten noch nicht einen Tag ohne Sonne, sehen staendig neue Staedte, Plaetze und Menschen. Und immer wieder staune ich ueber die Kinder, die spaeter ins Bett gehen als wir und noch um Mitternacht auf den Plaetzen herumlaufen und spielen. Wann beginnt hier eigentlich die Schule?

Auch gewoehnungsbeduerftig ist die bekannte Siesta, ich habe sicher nichts gegen eine Mittagspause einzuwenden. Nur dass diese hier von 14 bis ca 17 Uhr gehen (natuerlich macht es jedes Geschaeft so wie es will) und dass wir in der Zeit nahezu nichts finden, wo wir uns hinsetzen und etwas essen koennen.
Wir haben schon unglaubliche Theorien aufgestellt, was die Spanier wohl in der Zeit machen, weil kein Mensch auf der Strasse zu sehen ist, aber das will ich hier nicht naeher eroertern, grins.

So denn freue ich mich heute auf eine Fahrt ohne Rad und auf das Mittelmeer.

Viele Gruesse an alle eineminute-Leser und
hasta luego

11.8.06 13:06

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