Castello

Zwei Wochen bleiben uns nun noch im schoenen Spanien bis es wieder nach Leipzig zurueck geht. Heute ist unser (ungelogen) erster Regentag in einer Zeit von 3,5 Wochen. Wir konnten es kaum glauben als einige, noch zaehlbare Regentropfen auf unsere Koepfe getropft sind. Ein bisschen stoerend auf der fahrt nach Castello war dann der Gegenwind, der das Radfahren mit unserem Gepaeck noch zusaetzlich strapaziert hat, aber wir haben es geschafft, und das Erste was wir in dieser Stadt bei Regen getan haben, war einen riesigen Eisbecher zu uns zu nehmen :-)
Castello kommt nicht an das Flair von Valencia heran (und das nicht wegen dem Regen), aber wir werden nachher an den Hafen fahren und uns von dort aus Richtung Canmpingplatz naehern. Hier an der Kueste gibt es Caempingplaetze en masse. Kein Problem mehr (wie in den Bergen ) einen zu finden, sondern eher erfreulich, dass wir ganz spontan sagen koennen, wann wir stoppen und wann wir weiterfahren.
Ich freue mich natuerlich schon, dass wir in einer reichlichen Woche in Barcelona sein werden, Habe viel Tolles von der Stadt gehoert und hoffe natuerlich darauf, dort auch Dementsprechendes zu erleben.
Das Radfahren ist jetzt auch viel angenehmer (abgesehen von demn Wind vorhin), da es hier am Meer keine Steigungen mehr gibt und die Strecken nur noch geradeaus fuehren, ja so soll es sein, grins. Mein Mitfahrer findet das nicht ganz so schoen und sehnt sich schon wieder nach Bergen, aber mir haben unsere hitzigen Touren ueber Hoehen und Tiefen doch nicht so sehr gefallen wie der Gedanke jederzeit ins Meer springen zu koennen, an dem wir ja bis nach Barcelona langfahren :-)

Hier in den doch eher touristlichen Gebieten koennen nun auch mehr Leute Englisch sprechen (laengst nicht so viele wie in Deutschland, aber immerhin schon zwei von zwanzig ;-)). Allerdings ist mein Spanisch nun auch schon so gut, dass ich (fast) problemlos die Speisekarte lesen und uebersetzen, bestellen und bezahlen kann. Das Erste, was ich im naechsten Semester an der Uni machen werde, ist, einen Spanischkurs zu besuchen, juchu.

Und wieder einmal viele Gruesse an die Daheimgebliebenen oder schon vom Urlaub zurueck Gekehrten. Ich werde die naechsten zwei Wochen noch ausgiebig geniessen :-)...

Valencia

Nach der doch recht angenehmen Zugfahrt haben wir uns nun auf einem Campingplatz ganz in der Naehe von Valencia niedergelassen, sind heute in diese Stadt gefahren und haben auch hier wieder eines der kleinen Internetcafes gefunden. Valencia ist eine tolle Stadt (zumindest bei dem, was wir bisher gesehen haben). Es gibt wirklich wunderschoene, aeltere Gebaeude hier, die unter den Palmen einen friedlichen Eindruck hinterlassen. Inzwischen waren wir auch am Mittelmeer, wo es uns auf unserer Fahrt nach Barcelona wohl noch oft hin verschlagen wird. Natuerlich sind wir jetzt nur noch mit den Fahrraedern unterwegs. An der Kueste langzufahren, das Meer im Blick zu haben und den Wind im Nacken zu spueren, ist ja auch um Einiges angenehmer, als mitten in den Bergen, um Wasser kaempfend das Ueberleben zu sichern ;-)
Ich glaube, ich habe noch gar nicht erwaehnt, dass wir bei einer Fahrt durch die Berge zu wenig Wasser dabei hatten und ohne die Hilfe freundlicher Spanier wohl mitten in der Trockenheit liegen geblieben waeren: Wir haben insgesamt 7 Liter Wasser geschnorrt, und das auch nur dank meinem lieben Mitfahrer, der versucht hat, jedes vorbeifahrende Auto anzuhalten, waehrend ich schon im Schatten lag und meinen Durst unter Kontrolle bekommen musste.

Aber hier scheint es, als waere diese Phase schon weit hinter uns. Hier in der drittgroessten Stadt Spaniens bekommen wir an jeder Ecke alles, was wir wollen und es mangelt uns an Nichts, nahezu vergessen sind die Erinnerungen an die Zeit, wo wir uns ueber eine Flasche Wasser so sehr gefreut haben, dass Traenen in die Augen kamen...

Unser Ziel Barcelona ist nun nur noch ca. 350 km entfernt, die wir locker in den naechsten beiden, uns noch verbleibenden Wochen, schaffen werden.
Irgendwie hoffe ich, dass wir auf den Campingplaetzen bis dahin noch auf Leute treffen, die eine Gitarre mithaben. Ich vermisse die Musik doch sehr. Ich singe natuerlich trotzdem jeden Tag, nur dass das hier die Menschen gewoehnt sind und das hinnehmen, als waere es das Normalste der Welt...ach ja...schoenes Gefuehl, wenn man nicht so schief angesehen wird beim singenden durch die Strassen Gehen :-)

Obwohl es heute morgen doch endlich mal bewoelkt war (wir wussetn gar nicht mehr, was Wolken eigentlich sind, grins), hat es sich nun wieder aufgeklart und der Himmel ist blau wie immer. Regen haben wir immer noch keinen gespuert, nur nach dem Zugfahren Naesse auf den Strassen von einem Regen, der vor uns dort war und den wir wieder verpasst haben. So langsam vermisse ich das Gefuehl von Regen auf Haut :-)

Viele Gruesse aus Valencia an alle Leser und auch viele Gruesse in die Heimat...

Villarrobledo

In diesem Ort haben wir uns entschieden, die geplante Route durch die Berge nicht zu nehmen, sondern statt dessen mit dem Zug nachher bis kurz vor Valencia zu fahren und dann mit dem Rad weiter die Kueste hoch. Ich gebe zu, dass diese Entscheidung mehr bei mir liegt als bei meinem Mitfahrer, aber nach 2,5 Wochen nur Radfahren gestehe ich mir diese Schwaeche durchaus ein :-)
Dafuer setzt sich immer mehr der Gedanke durch, dass wir noch heute Abend am Mittelmeer sein werden, unsere Koepfe ins Wasser tauchen koennen und immer einen Campingplatz parat haben, da die an der Kueste nur so hervor wuchern, waehrend sie in der Mitte Spaniens uns nur vereinzelt entgegenlaecheln.
Vorgestern haben wir unter freiem Himmel geschlafen. Wir sind einen kleinen Weg zwischen Weintraubenfeldern hineingefahren (nein sie waren noch nicht reif...leider), haben dorte in altes, bruechiges, verlassenes Haus gefunden und uns davor mit all unseren Decken und Sachen niedergelassen. Das Flair war unglaublich schoen, obwohl es in der Nacht doch zugegebenermassen etwas kuehl wurde und ich mich immer tiefer in meinen Schlafsack verkrochen habe, bis wahrscheinlich nur noch die Haarwurzeln herausgeguckt haben.
Die Geraeusche der Tiere und besonders der Fledermaeuse habe ich versucht zu ignorieren, was mir auch groesstenteils gelungen ist. Warum nur kommen gerade in solchen Momenten alle Erinnerungen an alle laengst vergessenen Horrorfilme wieder hoch? :-)

Mittlerweile ist mir auch klar geworden, dass ich das Essen aus Deutschland vermisse. Hier gibt es keine Baecker, demzufolge auch keine Koernerbroetchen und die belegten Baguettes, die in allen Snack-Bars angeboten werden, beinhalten wirklich nur das, was auf der Karte steht. Wenn es also "Bocadillo con queso" heisst, dann ist auf dem Broetchen wirklich nur Kaese, keine Butter, keine Tomate, Salat oder irgendwas, wirklich nur Broetchen mit Kaese...und ehrlich, da hatte ich schon mal ein ziemlich Trockenes erwischt, bei dem mein Speichel mit der Verarbeitung nicht mehr hinterhergekommen ist ;-)

Aber sonst ist es in Spanien wirklich wunderschoen. Wir hatten noch nicht einen Tag ohne Sonne, sehen staendig neue Staedte, Plaetze und Menschen. Und immer wieder staune ich ueber die Kinder, die spaeter ins Bett gehen als wir und noch um Mitternacht auf den Plaetzen herumlaufen und spielen. Wann beginnt hier eigentlich die Schule?

Auch gewoehnungsbeduerftig ist die bekannte Siesta, ich habe sicher nichts gegen eine Mittagspause einzuwenden. Nur dass diese hier von 14 bis ca 17 Uhr gehen (natuerlich macht es jedes Geschaeft so wie es will) und dass wir in der Zeit nahezu nichts finden, wo wir uns hinsetzen und etwas essen koennen.
Wir haben schon unglaubliche Theorien aufgestellt, was die Spanier wohl in der Zeit machen, weil kein Mensch auf der Strasse zu sehen ist, aber das will ich hier nicht naeher eroertern, grins.

So denn freue ich mich heute auf eine Fahrt ohne Rad und auf das Mittelmeer.

Viele Gruesse an alle eineminute-Leser und
hasta luego

Name der Stadt ist was mit "T"

...aber so schlecht zu merken, dass ich ihn lieber nicht aufschreibe. Wir haben unsere urspruengliche Route nach Valencia etwas abgeaendert, werden dennoch vorraussichtlich kommenden Montag oder Dienstag dort ankommen. Und dann beginnen die eigentlichen Ferien am Mittelmeer. Die Fahrt noerdliche Richtung Barcelona an der Kueste ist dann nicht mehr so schlimm, weil wir pro Tag nur ca. 30 km fahren werden. Doch vorher gehts noch durchs Gebirge. Nun ja mal sehen, wie ich das meistern werde. Immerhin war ja die Strecke von Lissabon bis in die Mitte Spaniens auch nicht gerade flach.
Gestern haben wir in Manzanares in einer Pension geschlafen, die mich eher an Italien als an Spanien erinnert hat. Der Innenhof war voller Pflanzen. In der Mitte lag eine Katze und schlief waehrend um sie zwei Hunde herum tollten und sich scheinbar ueber jeden Besucher freuten. Die spanische Hausherrin kam zu uns und begruesste mich mit Kuesschen auf die Wangen (was ich bis dahin noch nie hier erlebt habe).
Ich habe mich sofort geborgen und wohl gefuehlt. Und auch wenn mein Mitfahrer heute morgen im Bad eine Kakalake gesehen hat, behalte ich diese Pension in besonderer Erinnerung.
Als wir aus Manzanares weiterfahren wollten zu der jetzigen Stadt "T", haben wir den Weg nicht gefunden und ein etwas aelterer Mopedfahrer hat ihn uns ohne zu fragen gezeigt und ist vorgefahren. Jaja es gibt doch super nette Menschen hier :-)

Den naechsten Zugang zum Internet werden wir erst in Valencia haben....nach der bergigen Tour. Wenn ich dann noch lebe, melde ich mich wieder :-)

Ciudad Real...

...heisst die Stadt, in der wir uns nun gerade befinden. Gelegen auf dem Mittelpunkt der Strecke zwischen Lissabon und Valencia, machen wir hier eine kleine Radpause und tanken mal einen Tag keine Radluft sondern geniessen das immer sonnige Wetter, das uns diesmal ja auch nicht stoert wie sonst bei unseren Radtouren.
Die letzten zwei, drei Tage ging es durch sehr bergiges Land ud ich als kleiner Radneuling kroch die Berge mit Schritttempo hoch, schitzend und triefend aus allen Ecken meines Koerpers, um dann oben angelangt den Wind der Abfahrt ins Gesicht gepeitscht zu bekommen (was aber durchaus positiv war :-)). Wir sind durch Gebiete gefahren, diè ueberhaupt nicht fuer Tousristen vorgesehen sind, denn die Menschen dort haben uns angesehen, als kaemen wir nicht nur aus einem fremden Land, sondern als waeren wir auch noch komplett von einem anderen Stern. Sie sind Fremde nicht gewohn und erst recht keine Verrueckten, die mit ihren Raedern durch die Berge fahren, im August, in Spanien.
In den groesseren Staedten dagegen sieht das anders aus. Heir fallen wir zwar auch ein bisschen auf (weil wir wirklich gar keine typischen Touristengebieten anfahren), aber hier interessieren sich dann eher die Menschen auch dafuer, was wir machen und noch vor haben.
Leider gibt es nicht viele kostenguenstige Jugendherbergen hier und so haben wir auch einmal auf einer Parkbank geschlafen, um Geld zu sparen. Waehrend ich dann schon schlummerte, tummelten sich immer noch Kinder und Jugendliche im Park rum. Erstaunlich, wie lange die hier wach bleiben.
Und immer wieder erstaunlicher, dass nichtmal die Angestellten in Hotels englisch sprechen koennen.
Nun, so lerne ich wenigstens Spanisch richtig gut ;-)


Dann sende ich mal ganz viele Gruesse an Deutschland und hoffe mal boesartigerweise, dass es dort gaaaanz viel regnet, damit ich die Sonne und die Abwesenheit von Wolken hier noch mehr geniessen kann :-)

Bis zum naechsten Mal...

Badajoz

Nun schaffe ich es endlich mal einen Eintrag in meinen Blog zu schreiben, der aus Spanien kommt.
Hier ist es wirklich nicht so leicht ein Internetcafe zu finden, besonders weil wir meistens in kleinen Staedten verkehren.
Mein Kumpel und ich haben uns vorgenommen mit unseren Raedern von Lissabon (Portugal) nach Barcelona (Spanien) zu fahren und haben gestern die Grenze ueberquert, sind nun endlich in Spanien und ich versuche hier staendig neue Vokabeln zu lernen und anzuwenden. Erstaunlicherweise sprechen hier nicht viele Menschen englisch, so dass wir meistens auf unsere Haende und Fuesse angewiesen sind, was sich aber dann auch auch recht lustig aussern kann.
Wir haben seit unserer Anknunft nicht eine Wolke am Himmel gesehen. Die Hitze ist zum Glueck nicht so unertraeglich wie die letzten Wochen in Deutschland und so laesst es sich auch ganz gut Fahrrad fahren, wenngleich wir immer wieder in Schweissausbruechen enden und uns an der naechsten Tankstelle mit Wasser zudroehnen, was die Tankstellenwaerter immer leicht verwundert, da diese natuerlich keine Radfahrer erwarten, die so lebensmuede sind und im Juli und August durch die Iberische Halbinsel fahren. Uns macht es dennoch Spass. Wir lernen kleine Doerfer und auch Tourismuszentren kennen, haben Naechte in guten und schlechten Hostels verbracht und auf unseren Isomatten auf schlechten Campingplaetzen ud welchen mit Swimmingpool geschlafen.
So ist es hier dann auch wirklich abwechslungsreich und wir gewoehnen us nur allzuschnell an die offene und herzliche Art der Suedlaender.
Ich denke, das werde ich wohl doch sehr vermissen, wenn ich zurueck in Deutschland bin, genauso wie die Palmen und die kleinen Gassen durch die kaum ein Auto hindurch passt und es trotzdem immer wieder schafft.
Das Nachtleben schlaegt den Tag um Laengen. Kinder huepfen spaet abends auf den Strassen herum. Musik kommt von ueberall her und erfuellt die warme Sommerluft mit einem wunderschoenen Klang der kein Heimweh aufkommen laesst.
Aber immerhin liegen noch ca4,5 Wochen vor uns, in denen wir ausgiebig schwitzen, radfahren, lachen und geniessen werden.

Viele Gruesse an alle, die diesen Blog lesen aus dem wundervollen Spanien...

Blau

Blau

Der Himmel

Wundervoller heller Schein

Ich versinke in dir

Freiheit.

Trööööööt

"Deutschland! Deutschland!" "Trööööööööt...trööötötöt" "54-74-90-2006" "lalala"

Zugegeben als die Weltmeisterschaft anfing, dachte ich nur, wie ich das schaffen soll. Lauter seltsame, bunte Menschen, denen ich begegnete in der Stadt. Tröten, Fahnen, Schreie, Rufe und lauthalse Gesänge. Selbst als ich dachte "Ja jetzt versuche ich meine Freunde zu finden und drängel mich in die Massen", machte mir das Schicksal des Anti-Fußballs einen Strich durch die Rechnung. So kam dann kurz vorm Einlass ein junges Mädchen auf mich zu, lallte mich an, während ich ihren wunderbar frischen Atem zu Geruch bekam, und schrie schon leicht neben der Spur" Hey...sach mal...*schwips*...sch.. mal...hier Wein...*glucks*..Wein nicht mit rein...trinken?...*ups*"
Und in diesem Moment zwischen den ziemlich unvollständigen Wortfragmenten kippte sie den Wein vor meinen Füßen aus, natürlich nicht ohne meine weiße Hose zu verfehlen, die eh schon von kleineren Grasflecken übersäht war.
So kehrte ich also um, warf einen letzten Blick in die Menge, in der meine Freunde verschwunden waren und setze mich stillschweigend zu den Tauben der Stadt.

Soviel zu meiner ersten Fast-Fußballerfahrung beim Leinwand-Eröffnungsspiel von Deutschland.
Inzwischen jedoch kann ich ganz gut damit umgehen, dass ich nicht mehr mit meinem Superrrad durch die Stadt fahren kann und auch, dass es dort keine ruhige taubenglucksende Stille mehr gibt.
So langsam sehe ich auch wirklich einige Spiele mehr, die nicht nur Deutschland betreffen und beginne die Euphorie zu verstehen.

Aber am besten ist immer noch meine Oma, die bei jedem Tor lauthals aufschreit und selbst nachts zum Boxkampf aufsteht um auch nichts zu verpassen.
Welch Sportbegeisterung in solch einem hohen Alter.
Da werd ich wohl nie hinkommen...

23.06.2006

Gestern...

...habe ich Großes vollbracht. Ich, die als Kind in einer Kleinstadt mit kleinen Turnhallen und noch kleineren Fußballplätzen groß geworden ist, mit dem von Mama eingebläuten Motto "Sport ist Mord", habe es geschafft eine Radtour hinter mich zu bringen, die 160 Kilometer umfasste.

Im Februar hatte ich mein Auto verkauft (und ja manchmal vermisse ich seine eigensinnige Art, wie es mich so blau wie der Himmel anlächelte) und mir ein Fahrrad zugelegt. Gut ich hatte schon eines besessen. Ob man dieses Etwas, was verrostet und überaltert, schon mehr Jahre als meine Oma auf dem Buckel und quietschend bei jeder kleinen Bewegung, noch Fahrrad nennen konnte, war die Frage, aber es hatte mir bis dahin immerhin den Gefallen getan, mich ohne große Unfälle von A nach B zu tragen.
Dann kaufte ich also Roschi. Und in Roschi war ich von Anfang an verliebt. Um so länger und öfter ich mit Roschi fuhr, um so intensiver wurde die Liebe zu dem kleinen Silberesel und um so klarer wurde mir, dass ich diese lange Radtour nach Hause (oder wie ich es liebevoll nenne: bis ans andere Ende der Welt) machen würde.

Gestern war es dann soweit, getrieben von meiner Neugier und meinem klopfendem Herzen, das mich nicht schlafen ließ, stand ich zu unmenschlichen Zeiten auf. Der Wecker zeigte 5:43 Uhr. Ich packte meine sieben (oder doch acht?) Sachen zusammen, füllte alle Trinkflaschen mit reichlich leitungsgeschmackintensiven Wasser, gab meinem Meerschwein die letzten guten Mörenreste und fuhr in den Sonnenaufgang (man mag sich streiten, ob die Sonne da schon komplett aufgegangen war oder ob man die ersten richtigen Straheln, die ich spürte als Aufgang bezeichnete).

Sicher ist, dass ich diese Strecke geschafft habe und dafür nur 8,5 Stunden inklusive aller Pausen, Umleitungen und...räusper Umwege zwecks Verfahren, gebraucht habe.
Völlig erschöpft und dennoch überglücklich, kam ich dann im Spreewald an, sah wieder Menschen mit Gurken und unzähligen Mücken als Haustieren, blickte in Augen voller Spree und dachte nur still bei mir:

Heimat

Momente

Momente des Glücks
Momente der Zufriedenheit
Momente des Schaffens
Momente der Zweisamkeit

Momente des Lachens
Momente der Nähe
Momente der Ruhe
Momente des Sehens

Momente des Feuers
Momente der Stille
Momente des Friedens
Momente der Fülle

Momente der Bereicherung
des gesamten, kurzen Lebens
Momente der Gesinnung
des unendlichen Strebens

...Momente der Liebe...